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“Vermeintlich gute Aussagen enthalten eine negative Bewertung”

4. Dezember 2020

Gordon A. Vahldiek

Du hast Dein Arbeitszeugnis erhalten, auf den ersten Blick wirkt es sehr positiv und Du bist zufrieden damit. Doch es gilt das Arbeitszeugnis auf versteckte Codes und Formulierungen zu überprüfen, die positiv klingen, aber oft das Gegenteil bedeuten.

Ursache hierfür liegt beim Gesetzgeber, der vorschreibt, dass ein Arbeitszeugnis zwar wahrheitsgetreu, aber gleichzeitig auch wohlwollend geschrieben sein muss. Dies hat zur Folge, dass sich mit der Zeit eine spezielle Geheimsprache in den Zeugnissen etabliert hat.

Das Arbeitszeugnis ist Dein Aushängeschild für den nächsten Job. Daher empfehlen wir Dir, es für eine genaue Analyse von einem Experten überprüfen und entschlüsseln zu lassen. Im Folgenden findest Du aber einen Überblick über die gängigsten Codes, um Dir einen ersten Überblick zu verschaffen.

 

Versteckte Codes, Formulierungen und Geheimsprache im Arbeitszeugnis:

Bei der Gesamtbewertung der Aufgabenerfüllung erscheinen gerne folgende fünf Aussagen, die einer Schweizer Schulnote entsprechen:

Note 6 „Er/Sie erledigte die Aufgaben stets zu unserer vollsten Zufriedenheit.“

Note 5: „Er/Sie erledigte die Aufgaben stets zu unserer vollen Zufriedenheit.“

Note 4: „Er/Sie erledigte die Aufgaben zur vollen Zufriedenheit.“

Note 3: „Er/Sie erledigte die Aufgaben stets zur Zufriedenheit.“

Note 2: „Er/Sie erledigte die Aufgaben im Grossen und Ganzen zur Zufriedenheit.“

An diesem ersten Beispiel erkennst Du bereits, dass vermeintlich gute Aussagen eine negative Bewertung enthalten. Hier geht es um kleine Feinheiten in der Bewertung, die Deine Leistung von sehr gut bis mangelhaft bewerten, ohne dabei augenscheinlich negativ zu wirken.

“Passive Aussagen können auf mangelnde Initiative oder Faulheit hinweisen”

Weitere typische Beispiele, an denen Du die Bewertung analysieren kannst, sind folgende Floskeln:

Sehr gut:

  • „Er/Sie wurde wegen des freundlichen Wesens sowie der kollegialen Haltung bei Vorgesetzten und Mitarbeitern sehr geschätzt.”
  • „Er/Sie hat stets den Erwartungen in jeder Hinsicht und allerbester Weise entsprochen.”
  • „Er/Sie erzielte stets herausragende Arbeitsergebnisse.”

Gut:

  • „Sein/Ihr Verhalten gegenüber Vorgesetzten und Mitarbeitern war einwandfrei”
  • „Er/Sie hat den Erwartungen in jeder Hinsicht und bester Weise entsprochen.”
  • „Er/Sie zeigte stets überdurchschnittliche Arbeitsqualität.”

Befriedigend:

  • „Die Zusammenarbeit mit Vorgesetzten und Mitarbeitern war gut”.“
  • „Er/Sie er hat unseren Erwartungen in jeder Hinsicht entsprochen.“
  • „Die Arbeitsqualität war überdurchschnittlich.“

Ausreichend:

  • „Sein/Ihr persönliches Verhalten war insgesamt einwandfrei.“
  • „Er/Sie hat unseren Erwartungen entsprochen.“
  • „Die Arbeitsergebnisse entsprachen den Anforderungen.“

Mangelhaft:

  • „Das persönliche Verhalten war insgesamt einwandfrei.“
  • „Er/Sie hat unseren Erwartungen weitestgehend entsprochen.“
  • „Er/Sie bemühte sich im Allgemeinen den Anforderungen zu entsprechen.“

Doch neben diesen Phrasen solltest Du auch darauf achten, ob folgende Verschlüsselungen oder Codes in Deinem Arbeitszeugnis erscheinen:

  • Passive Sätze: Diese können auf mangelnde Initiative oder Faulheit hinweisen.
  • Fehlende Informationen: Auslassen von Tätigkeiten und Leistungen Deines Jobs und Fokus auf unwichtige Informationen
  • Fehlende Abschlussformel: Das Fehlen wird als negatives Zeichen gewertet. Wichtig ist hier, dass auch diese eine Wertung von sehr gut bis mangelhaft enthalten kann.

Weiterhin gibt es auch Formulierungen, die nicht nur einer Wertung gleichen, sondern dem zukünftigen Arbeitgeber verschlüsselt zusätzliche Informationen über Dich geben. Beispielsweise:

  • „Er/Sie war in der Lage, seine/ihre eigene Meinung zu vertreten.” (= Die Person kann nicht mit Kritik umgehen.)
  • „Für die Belange der Belegschaft bewies er/sie immer Einfühlungsvermögen.” (= Die Person suchte sexuelle Kontakte im Kollegenkreis.)
  • „Er/Sie verstand es, seine/ihre Interessen mit denen des Unternehmens in Einklang zu bringen.” (= Die Person hat sich auf Kosten des Unternehmens bereichert.)

Du merkst, es ist nicht einfach, ein Arbeitszeugnis zu analysieren. Lade Dir deswegen auf jeden Fall unsere gratis 10-Punkte-Checkliste herunter, mit der Du Dein Arbeitszeugnis ganz einfach selbst prüfen kannst.

Welche Wörter sollten in einem Arbeitszeugnis nicht stehen?

In einem Arbeitszeugnis sollten bestimmte Wörter vermieden werden, um Unklarheiten und Mehrdeutigkeiten zu vermeiden. Versteckte Codes und unklare Formulierungen können dazu führen, dass der wahre Inhalt des Zeugnisses nicht eindeutig ersichtlich ist. Außerdem sollten veraltete und diskriminierende Formulierungen vermieden werden, die auf überholten Werthaltungen basieren.

Beispiele für solche Formulierungen sind “schwere Unkorrektheiten” oder “schwache Leistung”. Diese Aussagen sind nicht präzise genug und lassen Raum für Interpretationen. Sie können auch negative Auswirkungen auf die berufliche Zukunft haben.

Auch versteckte Hinweise oder negative Aussagen sollten vermieden werden. Diese können den Eindruck einer schlechten Leistung oder eines schlechten Verhaltens beim zukünftigen Arbeitgeber erwecken.

Es ist wichtig, dass ein Arbeitszeugnis klar und präzise ist, um dem Leser eine korrekte Einschätzung der fachlichen Qualifikationen und des Verhaltens des Arbeitnehmers zu ermöglichen. Durch den Verzicht auf unklare und diskriminierende Wortwahl kann dies gewährleistet werden.

Was sind Geheimcodes im Arbeitszeugnis?

Geheimcodes im Arbeitszeugnis sind bestimmte Formulierungen und versteckte Hinweise, die in einem Arbeitszeugnis verwendet werden, um Informationen über den Mitarbeiter zu vermitteln. Diese Codes dienen dazu, Eigenschaften, Fähigkeiten und Leistungen des Mitarbeiters auf subtile Weise zu bewerten.

Aufgrund gesetzlicher Vorgaben müssen Kritikpunkte im Arbeitszeugnis indirekt formuliert werden. Das bedeutet, dass negatives Feedback oder Kritik nicht direkt ausgesprochen werden darf, sondern in versteckten Hinweisen oder Floskeln verpackt werden muss. Dies dient dem Schutz des Arbeitnehmers und soll verhindern, dass negative Bewertungen seiner beruflichen Zukunft schaden.

Einige Beispiele für versteckte Hinweise und Floskeln im Arbeitszeugnis sind “hat seine Aufgaben mit äußerster Sorgfalt erledigt” oder “hat sich um ein gesundes Selbstvertrauen bemüht”. Obwohl diese Formulierungen oberflächlich betrachtet positiv klingen, können sie tatsächlich eine negative Bewertung vermitteln.

Es ist daher wichtig, dass Mitarbeiter und zukünftige Arbeitgeber die geheimen Codes und versteckten Hinweise im Arbeitszeugnis erkennen und deuten können, um eine realistische Einschätzung der Leistungen und Fähigkeiten des Mitarbeiters zu erhalten.

Wie erkenne ich Codes im Arbeitszeugnis?

Das Lesen und Entschlüsseln von Codes im Arbeitszeugnis kann eine knifflige Aufgabe sein. Oft verwenden Arbeitgeber doppeldeutige Formulierungen, die oberflächlich betrachtet positiv klingen, aber in Wirklichkeit eine negative Botschaft vermitteln. Um den Geheimcode zu entschlüsseln, ist es wichtig, auf die feinen Nuancen in den Formulierungen zu achten.

Ein Beispiel dafür ist die Aussage “hat sich um ein gesundes Selbstvertrauen bemüht”. Auf den ersten Blick klingt dies positiv, kann aber tatsächlich darauf hinweisen, dass der Mitarbeiter ein geringes Selbstvertrauen hatte. Eine andere gängige Formulierung ist “hat seine Aufgaben mit äußerster Sorgfalt erledigt”. Dies könnte bedeuten, dass der Mitarbeiter unflexibel und pedantisch war.

Um die versteckten Hinweise im Arbeitszeugnis zu erkennen, sollten Mitarbeiter auf Aussagen achten, die nett klingen, aber in Wirklichkeit negativ gemeint sind. Zudem sollten sie auf Keywords wie “bemüht” oder “versucht” achten, die darauf hindeuten können, dass die Leistung des Mitarbeiters nicht zufriedenstellend war.

Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Codes im Arbeitszeugnis oft verwendet werden, um eine negative Botschaft zu vermitteln, ohne direkt Kritik auszusprechen. Indem Mitarbeiter die versteckten Hinweise identifizieren und die doppeldeutigen Formulierungen richtig lesen, können sie eine genauere Einschätzung ihrer Leistung erhalten.

Positive Codes

Positive Codes im Arbeitszeugnis sind Formulierungen, die auf eine positive Leistung und eine gute Zusammenarbeit hinweisen. Sie sind wichtig, um den zukünftigen Arbeitgeber von den Fähigkeiten und Qualitäten des Arbeitnehmers zu überzeugen. Hier sind einige Beispiele für positive Codes und ihre Bedeutungen:

1. “Mit vollster Zufriedenheit erfüllte er/sie die übertragenen Aufgaben.” – Dies bedeutet, dass der Arbeitnehmer seine Aufgaben mit höchster Zufriedenheit des Arbeitgebers ausgeführt hat und die Erwartungen übertroffen hat.

2. “Das Verhalten gegenüber Kollegen war stets vorbildlich.” – Dies zeigt, dass der Arbeitnehmer ein freundliches und respektvolles Verhalten gegenüber seinen Kollegen hat und gut in das Team integriert ist.

3. “Der Umgang mit Kollegen war stets harmonisch und kooperativ.” – Dies bedeutet, dass der Arbeitnehmer gut mit anderen zusammenarbeitet, Konflikte vermeidet und zum positiven Arbeitsklima beiträgt.

Um positive Codes im Arbeitszeugnis zu erkennen, ist es wichtig, auf bestimmte Formulierungen zu achten. Positive Codes zeichnen sich oft durch lobende Adjektive und klare Aussagen aus. Wenn Formulierungen wie “sehr”, “stets” oder “vorbildlich” verwendet werden, ist dies ein Anzeichen für positive Codes. Es ist auch wichtig, den Kontext des Zeugnisses zu berücksichtigen und das Gesamtbild der Bewertung zu analysieren. Arbeitszeugnisse sollten objektiv und fair sein und eine positive Bewertung der Leistung des Arbeitnehmers widerspiegeln.

Negative Codes

Negative Codes im Arbeitszeugnis sind Formulierungen, die versteckt oder subtil eine negative Bewertung oder Kritik am Arbeitnehmer ausdrücken. Es ist wichtig, diese Codes zu identifizieren, um die wahre Bedeutung hinter den Aussagen zu verstehen. Eine sorgfältige Analyse kann helfen, versteckte Kritikpunkte oder Schwachstellen im Arbeitszeugnis zu erkennen.

Ein Beispiel für einen negativen Code könnte sein: “Er war bemüht, die Anforderungen gerecht zu werden.” Auf den ersten Blick klingt dies neutral oder sogar positiv. Jedoch kann der Ausdruck “bemüht” darauf hinweisen, dass der Arbeitnehmer Schwierigkeiten hatte, die gestellten Anforderungen zu erfüllen. Die wahre Bedeutung könnte also lauten, dass der Arbeitnehmer keine gute Leistung erbracht hat.

Ein weiteres Beispiel für einen negativen Code wäre: “Er/ sie arbeitete mit äußerster Sorgfalt.” Hier könnte das Wort “äußerst” darauf hinweisen, dass der Arbeitnehmer zu pedantisch oder unflexibel war und möglicherweise Schwierigkeiten hatte, Aufgaben effizient abzuschließen.

Es ist wichtig, solche Codes im Arbeitszeugnis zu erkennen, um ein genaues Bild der Leistung und Fähigkeiten des Arbeitnehmers zu erhalten. Eine professionelle Beratung kann helfen, versteckte Kritikpunkte oder negative Formulierungen zu entdecken und eine angemessene Einschätzung des Arbeitszeugnisses vorzunehmen.

Prüfe mit der 10-Punkte-Checkliste Dein Zeugnis jetzt einfach selber auf Folgendes:

  • Unvorteilhafte Codes, die Dir schaden könnten
  • Geheime Formulierungen, die nur Personaler lesen können
  • Unvollständigkeit, die von erfahrenen HR-Managern als negativ bewertet wird


Damit Dir niemand Steine in den Weg Deiner beruflichen Zukunft legen kann.

6 Antworten

  1. Hallo Zusammen

    ich brauche hilfe betrefend die zwei Zwischenzeugnis.
    1. Zwischenzeugnis am 28.8.19 Des Verhalten von Herr …. gegenüber seine Vorgesetzten und Kollegen ist einwandfrei und er wird als fleissiger und freundlicher Mitarbeiter geschätzt.
    2. Zwischenzeugnis am 4..8.21 Das Verhalten von Herr ….. gegenüber seinen Vorgesetztrn und kollegen ist gut.

    Was meinen sie dazu?
    Danke im Voraus

  2. Guten Tag

    Ich habe eine Frage zur Schlussformulierung eines Schlusszeugnis (uncodiert). Schlusszeugnisnote ist eine 5-5 1/2.
    Folgender Text steht in einem Schlusszeugnis: Frau X verlässt unser Unternehmen per 30. September 2021. Wir danken Frau X für ihren geleisteten Einsatz und wünschen ihr für die private wie berufliche Zukunft alles Gute und viel Erfolg.

    Vielen Dank für Ihre Hilfe.

    Freundliche Grüsse

    M. Boegli

    1. Liebe Michelle,

      danke für Deine Frage. Zu Deiner Schlussformel können wir Dir folgendes sagen: Du wurdest gekündigt. Es wird kein Bedauern ausgesprochen, was negativ zu sehen ist. Die Zukunftswünsche sind ok könnten aber ebenfalls durch den Zusatz “weiterhin” verbessert werden. Insgesamt spiegelt die Schlussformel nicht die angestrebte Schlusszeugnisnote von 5 – 5 1/2. Würde Dir eventuell empfehlen, dass gesamt Zeugnis einmal durch einen Experten anschauen zu lassen, ob dieses wirklich einem 5 – 5 1/2 entspricht.

      Wir hoffen das hat Dir geholfen? Wenn Du weitere Fragen hast, kannst du dich gerne wieder bei uns melden.

      Danke und herzliche Grüsse
      Dein Arbeitszeugnishilfe-Team

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